Epilepsiemanagement – heute und morgen
Satellitensymposium der UCB GmbH
Magdeburg, 11. April 2008. Aktuelle Trends im modernen Epilepsiemanagement stellten drei führende Neurologen auf einem Satellitensymposium in Magdeburg vor, das die UCB GmbH anlässlich der 52. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung veranstaltet hat. Sie berichteten über aktuelle Studiendaten zu Lacosamid, diskutierten Widersprüche zwischen Leitlinien und therapeutischer Praxis und stellten zusätzliche Applikationsformen von Levetiracetam (Keppra®) für ein erfolgreiches Epilepsiemanagement vor.
Lacosamid ist ein neuartiges Antikonvulsivum, für das bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMEA) die Zulassung in der Zusatzbehandlung von fokalen Anfällen bei erwachsenen Epilepsiepatienten beantragt ist. Die Substanz verfügt über einen neuartigen dualen Wirkmechanismus, der sowohl modulierend auf die langsame Inaktivierung von Natriumkanälen als auch auf das CRMP-2 (Collapsin response mediator protein 2) wirkt.1,2,3 Professor Dr. med. Bernhard J. Steinhoff, Kehl-Kork, stellte die aktuelle Datenlage zu Lacosamid (LCM) vor: „Lacosamid verfügt über eine günstige Pharmakokinetik. Bei vollständiger Bioverfügbarkeit besteht nach Einmalgabe eine geschlechtsunabhängige lineare Beziehung zwischen der Dosis und der maximalen Plasmakonzentration. Die Resorption geschieht unabhängig von der Nahrungsaufnahme und die maximalen Plasmakonzentrationen werden ein bis zwei Stunden nach der Einnahme erreicht. Bei einer Eliminationshalbwertszeit von 13 Stunden reicht eine zweimal tägliche Einnahme aus“.
Klinische Daten stammen aus drei placebokontrollierten Studien, die annähernd 1.300 Patienten einschlossen, deren fokale Epilepsie bei Behandlung mit bis zu drei anderen antiepileptischen Medikamenten nicht kontrolliert werden konnte.4,5,6 In den Studien zeigten sich mit Lacosamid im Vergleich zu Placebo signifikante 50%-Responderraten sowie eine Reduktion der durchschnittlichen Anfallsfrequenz. „Die bisherigen Studiendaten und eigene Erfahrungen wecken im Hinblick auf den geplanten klinischen Einsatz durchaus hohe Erwartungen“, resümierte Steinhoff.
Leitlinien und therapeutische Praxis – ein Widerspruch?
Dr. med. Stephan Arnold, München, beleuchtete das Thema Kosten im niedergelassenen Bereich: Was tun, wenn aufgrund eines Verstoßes gegen die wirtschaftliche Verordnungsweise ein Medikamentenregress droht? Angesichts immer knapper bemessener Arzneimittel-Budgets ist eine regelmäßige Überschreitung schwer zu verhindern. „Ein gewisser Schutz ließe sich durch eine Patienten-Bündelung in spezialisierten Praxen erreichen, da derzeit nach Anerkennung einer Praxis-Besonderheit die erhöhten Arzneimittel-Kosten aus dem individuellen Budget weiterhin herausgenommen werden. Zusätzlich sollten die Gründe, warum im Einzelfall ein vergleichsweise teures Präparat gewählt wurde, genau dokumentiert werden. Unter Beachtung dieser Punkte erscheint eine Leitlinien-orientierte Epilepsie-Behandlung in der Praxis auch in Zeiten knapper Resourcen möglich“, schlägt Arnold vor.
Zusätzliche Applikationsformen im Epilepsiemanagement
Chronische Krankheiten wie die Epilepsie erfordern meist eine regelmäßige Einnahme von Medikamenten, die häufig nur in oralen Darreichungsformen vorliegen. In Situationen, in denen keine orale Einnahme oder enterale Resorption gewährleistet ist, sind alternative Applikationsformen gefragt.
Professor Dr. med. Felix Rosenow, Marburg, stellte einige dieser zusätzlichen Applikationsformen vor: „Saft oder Sirup sind z. T. besser schluckbar oder einfach über die Magensonde applizierbar. In dieser Applikationsform erhältlich ist u. a. Levetiracetam“. Die rektale und intranasale Gabe erlauben eine rasche und zuverlässige Resorption, aber nur wenige Medikamente sind in dieser Applikationsform erhältlich. Dagegen führten die sublinguale und buccale Gabe zu variablen Resorptionsergebnissen, die von fraglicher Zuverlässigkeit seien. Die intravenöse Gabe erfordert zwar einen Zugang, ist aber im Ergebnis schnell, hat keinen First-pass-Effekt und ist gut steuerbar. Von den modernen Antiepileptika sind nur wenige für eine intravenöse Gabe zugelassen wie z. B. Levetiracetam. Es ist der oralen Gabe bioäquivalent und kann rasch intravenös verabreicht werden. Auch für Lacosamid ist die Zulassung einer intravenösen Darreichungsform beantragt.
Quellen:
1.Heers, C, Beyreuther, B., Freitag, J., Lees, G. Errington A., Stöhr, T: Lacosamide selectively enhances sodium channel slow inactivation. Poster Presentation,
11th EFNS, Brussels, 25-28 August 2007
2.Freitag, J., Beyreuther, B., Heers, C, Stöhr, T: Lacosamide interacts with collapsin response mediator protein 2 (CRMP 2). Poster Presentation, 11th EFNS, Brussels, 25-28 August 2007
3.Beyreuther BK, Freitag J, Heers C, Krebsfänger N, Scharfenecker U, Stöhr T. Lacosamide: a review of preclinical properties.CNS Drug Reviews 2007;13 (1), 21–42
4.Chung, S., Sperling, M., Biton, V., Krauss, G., Doty, P., Sullivan T. and the SP745 Study Group. Lacosamide: Efficacy and Safety as Oral Adjunctive Treatment in Adults with Partial Onset Seizures. Poster Presentation, 11th EFNS, Brussels 25-28 August 2007
5.Halász P, Kälviäinen R, Mazurkiewicz-Beldzinska M, Rosenow F, Doty P, Sullivan P and the SP755 Study Group Lacosamide: Efficacy and Safety as Oral Adjunctive Therapy in Adults with Partial Seizures Poster Presentation, 11th EFNS, Brussels 25-28 August 2007
6.Ben-Menachem E, Biton V, Jatuzis D, Abou-Khalil B, Rudd GD and the SP667 Study Group. Efficacy and Safety of Adjunctive Oral Lacosamide for the Treatment of Partial Onset Seizures in Patients with Epilepsy as Oral Adjunctive Therapy in Adults with Partial Seizures. Poster Presentation, 11th EFNS, Brussels 25-28
August 2007
Herausgeber:
UCB GmbH
Alfred-Nobel-Straße 10
40789 Monheim
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