25 Jahre UKM-Bettentürme: Modernisierung läuft auf Hochtouren

Münster (ukm/dre/sh). Vor knapp zwei Jahren hatte der Aufsichtsrat des Uniklinikums Münster (UKM) dem Vorstand grünes Licht gegeben für dessen Modernisierungs- und Neubaupläne. Wichtigste Botschaft damals: Die Türme bleiben stehen. Nun, exakt 25 Jahre nach dem Bezug des Zentralklinikums und der Bettentürme, stellt das UKM die Weichen für die Modernisierung der Türme und den neuen „Optimierungsbau“ an der Stelle des jetzigen Parkdecks an der Albert-Schweitzer-Straße. „Damit haben wir einen wichtigen Teil der Hausaufgaben, die der Aufsichtsrat uns mitgegeben hat, erledigt“, urteilt Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Vorstand des UKM. Die ersten Schritte der umfangreichen Planung sind erledigt.
Der genaue Zeitplan hängt zunächst davon ab, ob der Neubau und die Sanierung des Zentralgebäudes im Rahmen eines „Public-Private-Partnership“-Verfahrens (PPP) durchgeführt werden sollen. „Hier steht eine Entscheidung an“, betont Hoppenheit. Sind die PPP-Eignungsprüfung und der Wirtschaftlichkeitsvergleich abgeschlossen, könnte schon im kommenden Jahr mit der Ausschreibung des Bauprojektes begonnen werden. Das Ziel hat Hoppenheit fest im Blick: Baubeginn soll möglichst im Jahr 2010 sein. In welcher zeitlichen Abfolge Sanierung und Neubau erfolgen sollen, wird momentan ermittelt.
Bei den Planungen besitzen zwei Schlagwörter oberste Priorität: Zentralisation und Prozessoptimierung. Die Zeiten, in denen Patienten mit dem klinikeigenen Bus von einer Einrichtung des UKM zur Untersuchung in einen anderen Gebäudekomplex gefahren werden, sind dann ein für alle mal vorbei. „Die Zentralisation ermöglicht eine Prozessoptimierung“, ist sich Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Vorstand des UKM, sicher. Sind Neubau und Sanierung des Zentralklinikums abgeschlossen, warten auf die UKM-Patientinnen und Patienten modernste Versorgungsstrukturen, die es den medizinischen Fachkräften ermöglichen, Medizin effizient zu betreiben. „Bereits jetzt bekommen wir Bestnoten, wenn es um unsere medizinischen Leistungen geht“, betont Hoppenheit. „Aber nach Neubau und Sanierung werden wir unsere Leistungen mit einem besonderen Komfort anbieten. Und dass wir dabei sehr effizient sein werden, freut natürlich den Kaufmann in mir.“
Betriebskosten werden dauerhaft gesenkt
Durch den Neubau wird es keine zusätzlichen Flächen in der Krankenversorgung geben. Vielmehr will Hoppenheit, unter dessen Ägide die 100-% UKM-Tochter „Infrastrukturmanagement GmbH“ (IM) entstanden ist und die die Steuerung des Großprojektes übernommen hat, die zur Verfügung stehenden Flächen besser nutzen. Ein wichtiges Ziel für den Chefplaner: Die Betriebskosten werden dauerhaft gesenkt. Denn lange Wege sind für Patienten ärgerlich, für das Personal verursachen sie jedoch dauerhaft Kosten. „Am Ende werden wir sogar Flächen einsparen“, betont Hoppenheit. Geplant ist zum Beispiel eine zentrale Notaufnahme, die die bislang drei Notaufnahmen ersetzen soll, außerdem werden die beiden Endoskopien zusammengelegt. Auch die Anzahl der Operationssäle soll im Zuge der Baumaßnahmen von aktuell 30 auf 14 reduziert werden, die Auslastung der OP-Säle dabei optimiert werden. Hohe Anforderungen stellt die UKM-Leitung auch an das Energiekonzept: Bis zu 30 Prozent der jährlich rund 18 Millionen Euro Energiekosten sollen in Zukunft eingespart werden. „Allein durch die Tatsache, dass wir weniger Raum heizen müssen und durch den Einsatz moderner Energietechnik, werden wir dramatisch sparen“, betont Hoppenheit.
Rund 40.000 Quadratmeter groß wird das neue Gebäude – von dem Forschung und Lehre ebenfalls profitieren: Rund 7.200 Quadratmeter sind für ein „Forschungs- und Verfügungsgebäude“ vorgesehen. Im Moment gehen die Planer von zehn Stockwerken aus. In diesem Neubau werden die somatischen Kliniken, die zurzeit noch in mehreren teils 100 Jahre alten Gebäuden verteilt sind, untergebracht. Die bisher genutzten dezentralen Klinikstandorte könnten dann anders genutzt werden. Die Modernisierung der Bettentürme wird analog dazu exakt darauf abgestimmt. Vor allem soll es um Fußböden, Fenster und Möbel gehen. „Und wir werden pro Zimmer ein saniertes Badezimmer bieten“, betont Hoppenheit. Derzeit müssen sich noch zwei Zimmer eine Nasszelle teilen, was man zur Zeit auch in den meisten anderen Krankenhäusern vorfindet. Ebenso modernisiert werden die Gebäudetechnik und die Pflegezentralen auf den Stationen.
Eine interne Untersuchung aus dem Jahr 2006 hat ergeben, dass eine Modernisierung der beiden Türme rund 150 Millionen Euro kosten würde. Für den direkt angrenzenden Neubau prognostizierten die Planer zeitgleich ein Kostenvolumen von etwa 230 Millionen Euro. „Grobe Schätzungen aus 2006 rechnen also mit insgesamt rund 380 Millionen Euro“, sagt Hoppenheit. Eine aktualisierte Abschätzung der Kosten wird im Frühjahr 2009 im Rahmen der Ausschreibungsvorbereitungen durch das UKM vorgelegt. In jedem Fall aber liegt er mit seinen Berechnungen weit unter den vom vorigen UKM-Vorstand errechneten Kosten von knapp einer Milliarde Euro. Der nicht mehr amtierende Vorstand wollte allerdings das gesamte Zentralklinikum sowie die Forschungsgebäude neu bauen lassen. „Die Türme sind mit den Jahren zu einem Wahrzeichen von Münster geworden“, urteilt Hoppenheit. „Und da sie baulich in einem gut erhaltenen Zustand sind, wäre ein Abriss nicht sinnvoll – im Hinblick auf deren Statuts als Wahrzeichen von Münster - vielleicht sogar schade gewesen.“
Aktuell zahlreiche Modernisierungsarbeiten unterwegs
Bereits jetzt wird das UKM wo es sinnvoll und nötig ist, modernisiert: So werden bis zum Jahresende Fußböden und Sanitäreinrichtungen in den Pflegestationen der Türme erneuert, wo noch Bedarf bestand. Ebenso wie die beiden Haupteingänge des Zentralklinikums. Jüngstes Beispiel der Zentralisation: Anfang August hat die Klinik für Technische Orthopädie eine komplett modernisierte Station in den Türmen bezogen. Auch in der Zahnklinik an der Waldeyerstraße sind Bauarbeiten in vollem Gange: Die Klinik erhält einen neuen Eingangsbereich und neue Anlaufstellen für die Patienten. Hoppenheit: „Wo Bedarf ist, handeln wir schon jetzt, um die Qualität in der Patientenversorgung zu garantieren.“
Abseits des Zentralklinikums besteht eine weitere Großbaustelle: Der Neubau der Medizinischen Mikrobiologie, Virologie und Hygiene. Die inhaltlich eng verbundenen Einrichtungen sind bislang noch auf vier Standorte verteilt. Bezugsfertig soll das 30-Millionen-Euro-Projekt im Sommer 2011 sein. Dort entstehen für die verschiedenen Einrichtungen insgesamt 5.000 Quadratmeter Hauptnutzfläche. Die Modernisierung des Instituts für Anatomie läuft ebenfalls. Hoppenheit: „Das UKM steht für eine hervorragende medizinische und pflegerische Krankenversorgung und exzellente Bedingungen für Lehre und Forschung. Mit den aktuellen und den künftigen Baumaßnahmen schaffen wir die räumlichen Voraussetzungen dafür, dass wir wettbewerbsfähig bleiben und unseren Patientinnen und Patienten bezahlbare Medizin auf höchstem Niveau bieten.“